Der angekettete Zirkuselefant
- Janina Stöbbe

- 10. Jan.
- 1 Min. Lesezeit
In seinem Buch „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ schreibt Jorge Bucay unter anderem von dem Zirkuselefanten, der außerhalb der Zirkusvorstellung mit einer Kette an einem kleinen Holzpfahl angebunden ist. Für jeden Besucher ist erkennbar, dass ein ausgewachsener Elefant mit seinem ungeheuren Gewicht und seiner eindrucksvollen Größe sich mit Leichtigkeit befreien könnte. Also, was hält ihn zurück? Warum macht er sich nicht einfach auf und davon?
Die Antwort liegt in seiner Prägung. Bereits als Jungtier wird der Elefant auf diese Weise an den Holzpfahl gekettet. Zu dieser Zeit reicht seine Kraft noch nicht aus, um sich zu befreien. Er strengt sich an, zerrt, zieht und drückt – bis zur Erschöpfung. Doch nach vielen vergeblichen Versuchen und Kämpfen akzeptiert er eines Tages seine Ohnmacht und fügt sich seinem Schicksal. Diese Erfahrung ist so prägend, dass der kleine Elefant es nie wieder versucht – auch nicht, als er längst stark genug wäre, sich zu lösen.
Wir glauben viele Dinge über uns selbst und die Welt, weil wir einmalige Erfahrungen als unveränderlich hinnehmen und in Form von Glaubenssätzen festhalten. Die alte Erfahrung von Machtlosigkeit und Ohnmacht steckt in vielen von uns und prägt unser Leben – wie das des Elefanten.
Also – wann beginnst du, deine Ketten neu zu prüfen und dich von alten Prägungen zu befreien?